Stromlos

Vor zwei Tagen lang ein Zettel im Briefkasten, dass der Strom von 10 bis 16 Uhr abgeschaltet wird. Weil wir seit über einem Jahr in einer Dauerbaustelle leben, waren wir bereits einige Beeinträchtigungen gewohnt. Ein paar Stunden ohne Wasser waren jedoch harmlos gegenüber der Erfahrung stundenlang ohne Strom zu sein.

Arbeiten im Homeoffice unmöglich


Am Morgen vor der Stromabschaltung noch schnell die Kolleginnen informiert, dass ich den ganzen Tag „ausfalle“. Ich konnte deswegen nicht an einer Videokonferenz teilnehmen und eine dringende Projektarbeit nicht fertigstellen. Ohne Strom kein Internet und ohne Internet kein Telefon usw..
Eine Kollegin beschwerte sich später trotzdem, dass sie mich vergeblich versucht hatte anzurufen.

Was kann man an einem stromlosen Tag erledigen?

  • Zeitung lesen: ging nicht, weil ich nur die Online-Ausgabe abonniert habe. Radio hören ging auch nicht. Beides war kein wirklicher Verlust, weil es zur Zeit ohnehin nur schlechte Nachrichten gibt.
  • Hausputz ging nicht wirklich, weil der Staubsauger Strom benötigt.
  • Also hatte ich viel Zeit, um meine Fingernägel zu maniküren und frisch zu lackieren, denn dazu braucht frau keinen Strom.

Gegen Mittag kam Hunger auf

Kochen ohne Strom ging nicht. Im Kühlschrank war zwar genug Salat, aber mir war Salat bestenfalls als Beilage gut genug. Ich habe eine rohe Mohrrübe gegessen und bekam einen schrecklichen Schluckauf. Es war wirklich merkwürdig, denn ich kann mich nicht erinnern, jemals zuvor einen Schluckauf gehabt zu haben.
Also vielleicht nur eine Brotzeit? Zu dumm, meine Brotvorräte waren im Gefrierschrank und an das Auftauen war ohne Strom nicht zu denken.
Vielleicht sollte ich mir beim Metzger eine warme Leberkäs-Semmel kaufen? Doch der nächste Reinfall, denn ich bekam mein Auto nicht aus der Garage, weil das Tor elektrisch angetrieben ist.
Ich erwarte Besuch, der wollte sich telefonisch ankündigen, aber mein Telefon war tot und der Handy-Empfang ist im Haus eine Katastrophe. Auch die Haustürglocke geht nicht.
Im Haus wurde es ständig kühler, weil die Heizung nicht ohne Strom funktioniert.

… eine Tasse Kaffee

Ich hatte Appetit auf eine Tasse Kaffee, aber die Kaffeemaschine geht nicht ohne Strom.
Aber zwangsläufig hatte ich viel Zeit für einen Spaziergang zum Supermarkt, um im Backshop eine Tasse Kaffee zu trinken. Vorher wollte ich jedoch mein Makeup machen. So ein Mist, im Bad war es ohne Strom dafür reichlich dunkel.
Unterwegs kam mir eine Radfahrerin mit einer total hässlichen Sonnenbrille entgegen. Ich dachte mir dabei, dass eine Sonnenbrille mir vielleicht das Makeup erspart hätte, aber es schien weit und breit keine Sonne. Und blind wollte ich auch nicht durch die Gegend laufen.
Die große heiße Tasse Kaffee hat mir richtig gut getan. Nach einer Stunde war ich wieder zurück. Der Strom war immer noch abgeschaltet, so dass der elektrische Türöffner nicht funktionierte. Glücklicherweise habe ich für diese Fälle einen ganz normalen Schlüssel in meiner Handtasche. Es geht doch nichts über ein gutes altbewährtes mechanisches Türschloss.

Die Erlösung

20 Minuten vor der angekündigten Zeit war der Strom endlich wieder da. Alle Uhren in den Küchengeräten blinkten und der Gefrierschrank nervte mit Piepen, weil er zu warm geworden war.