Anfang Januar: Wieder einmal war die Auffrischung meiner Erste-Hilfe Kenntnisse angesagt. Ich hatte mich bereits vor drei Monaten angemeldet. Mein Kurs zahlte wieder die Berufsgenossenschaft.
Hallo Claudia
Ausgerechnet heute schneite es, so dass die Fahrt fast doppelt so lange dauerte. Als ich im Schulungsraum ankam, war nur noch ein Stuhl frei. Die Referentin begrüßte mich mit „Hallo Claudia“. Offensichtlich hatte sie mich seit meinem letzten Kurs vor drei Jahren nicht vergessen. Zu Beginn eine Vorstellungsrunde, in welcher wir u.a. über unsere Erahrungen berichten sollte. Glücklicherweise habe ich bisher keine Erfahrungen sammeln müssen. Aber ich war mir bewusst, dass ich vieles vergessen hatte.
Sofortmaßnahmen
Zunächst wieder die Maßnahmen bei einem Verkehrsunfall, also das Absichern der Unfallstelle. Dabei lernte ich, dass ein übliches Warndreieck, wie man es serienmäßig in jedem Auto findet für die Tonne ist, denn man kann es im Notfall nicht schnell genug montieren und aufstellen.
Ich hätte im Ernstfall gar nicht mehr gewusst, auf was man alles achten soll. Zum Beispiel, dass man sich als aller erstes unbedingt Gummi-Handschuhe anziehen soll. In allen Fällen steht aber die Eigensicherung an erster Stelle. Man muss z.B. nicht versuchen zu helfen, wenn ein wütender Hund die Annäherung an die verunglückte Person verhindet.
Zunächst ist das Bewusstsein der Person prüfen, indem man sie anspricht oder vorsichtig an der Schulter berührt. Auch ist zu prüfen, ob die Person ausreichend atmet. Bei bewusstlosen Personen besteht immer die Gefahr eines Kreislaufstillstandes.
Weitere Personen um Hilfe bitten und absprechen, wer sich um was kümmert, wie u.a. einen Notruf zu machen. Heute hat fast jeder ein Handy und kann die 112 anrufen, dabei sollte man die „5 W“- Fragen gegenüber dem Disponenten am anderen Ende der Leitung beantworten können. Das Handy auf Freisprechen stellen, um beide Hände frei zu haben und auf weitere Fragen warten. Der Disponent kann auch Anweisungen für die weitere Hilfe geben.
Im Notfall stellt sich die Frage, wie man die Person aus dem Gefahrenbereich, wie z.B. einem Auto bekommt? Wie war das nochmal mit stabilen Seitenlage und wofür benötigt man die goldfarbene Folie? Wir durften anschließend alle einmal Opfer und Retter spielen. Auch das Abnehmen eines Helms wurde geübt.
Reanimation
Jetzt wurde es ernst, denn die Reanimation war zu üben. Dabei stand uns auch ein Defibrillationsgerät (Automatisierter externer Defibrillator AED) zur Verfügung. Diese Geräte stehen an einigen öffentlichen Orten zur Verfügung. Man findet sie über spezielle Apps. Nach dem Öffnen des Defibrillationsgerätes gibt eine Stimme Anweisungen für die Reanimation, wie die Herzdruckmassage und das Beatmen. Aber AED sind im Nofall meist nicht schnell genug verfügbar. Im Notfall sollte man es aber auch ohne AED können. Dazu muss man ausreichend geübt haben.
Hilfe – ich ersticke
Nach der Mittagspause wurden dann in Zweier-Gruppen spielerisch spezielle Notfälle geübt. Ich hatte die Aufgabe das Ersticken zu simmulieren, weil ich etwas verschluckt hätte. Nichts leichter für mich wie das. Meine Übungspartnerin klopfte mir dazu mehrmals zwischen die Schulterblätter, aber ich simmulierte weiterhin Atemnot. Sie rief dann die Ausbilderin zur Hilfe, die sich hinter mich stellte und simmulierte, wie man ruckartig mit geballter Faust in den Oberbauchbereich unterhalb des Brustbeins drückt, den s.g. „Heimlich-Griff“. Wir erhielten anschließend für unser „Schauspiel“ viel Applaus von den anderen Kursteilnehmern.
Verletzungen
An meine früheren Erste-Hilfe Kurse erinnern mich vor allem die „Verbands-Orgien“. Alles was sich in einem Verbandskasten befindet musste in den Übungen irgendwie um Extremitäten gewickelt werden. Auch dieses mal wurden diverse Verletzungen angesprochen, aber nur das Abbinden einer starken Blutung am Arm geübt. Interessant war z.B. das Abbinden einer Augenverletzung, wobei auch das gesunde Auge verbunden werden soll, denn beide Augen bewegen sich stets gleichsam.
Alles hat ein Ende
Das „wichtigste“ war natürlich die Teilnahmebescheinigung ;-). Draußen erwartete mich Schneechaos. Nach dem Freimachen meines Autos eine Horrorfahrt auf schneebedeckten Straßen. Ich hatte wirklich keine Lust das frisch gelernte in der Praxis anzuwenden. Einige Autofahrer waren nicht in der Lage, ihr Tempo den Witterungsbedingungen anzupassen. Ich kam langsam, aber sicher daheim an.
Reanimation von Frauen
In Erste-Hilfe Kursen lernt man, dass für die Herzdruckmassage der Oberkörper der zu reanimierenden Person entkleidet werden muss. Die Herdruckmassage wird anhand einer Puppe mit männlicher Anatomie geübt. Aber wie ist es bei Frauen? Grundsätzlich ist jeder verpflichtet jeder Person Hlfe zu leisten, auch wenn eine Hemmschwelle besteht, eine fremde nackte Person zu berühren. Der Druckpunkt für die Herzdruckmassage befindet sich immer über dem Brustbein und es stören somit keine Brüste.

