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Liegerad im Oetztal

Route des Alpencross mit dem Liegerad (gegen den Uhrzeigersinn)

Alpencross mit Liegerad

Alpenüberquerungen mit dem Mountainbike waren inzwischen zur Routine geworden. Deswegen zur Abwechselung ein Alpencross mit dem Tieflieger. Dabei wollte ich beweisen, dass ein Trike nicht nur ein sehr bequemes, sondern auch ein sportliches Reisegefährt ist:

  1. In nur 5 Tagesetappen von Oberbayern bis nach Südtirol und wieder zurück, (ca. 540 km, 6250 hm),
  2. der Höhepunkt war das Timmelsjoch (2491 m)
  3. mit einer Marathon-Etappe von 170 km über Brennerpass und Achenpass zurück bis nach Hause.

Die Etappen

(gemäß Aufzeichnungen mit dem Radl-Computer):

  1. über Mittenwald ins Inntal (95 km,1030 hm)
  2. durch Inntal und Oetztal (66 km,950 hm)
  3. über das Timmelsjoch (112 km, 1520 hm)
  4. durch das Eisacktal zum Brenner (97 km, 900 hm)
  5. über den Brennerpass und Achenpass (170 km, 1180 hm)

Tourverlauf: Start an der Haustür - Penzberg - Kochel - Walchensee - Mittenwald - Leutasch - Telfs - Oetz - Sölden - Timmelsjoch - Meran - Bozen - Brennerpass - Inntal - Achensee - Sylvenstein Stausee - Bad Tölz - Daheim

1. Etappe, über Mittenwald ins Inntal

Durch Penzberg, dann am Ufer der Loisach entlang bis Kochel. Dieser Abschnitt empfiehlt sich nur, wenn es ausreichend trocken ist, andernfalls versinkt man gnadenlos in den von der Landwirtschaft "frisch auf den Tisch" präsentierten Schlammlöchern.

Ab Kochel die Kesselbergstraße hinauf. Es war der erste richtige Anstieg während dieser Tour. Doch ich benötigte nicht die kleinsten Gänge. Ab Einsiedel weiter auf der ausgeschilderten Radroute. Der Schotterweg lies schnell die Einsicht aufkommen, dass man auf der Straße erheblich schneller vorwärts kommt. Ab Krün auf Nebenstrecken in Richtung Barnsee bis Mittenwald.

Radweg ungeeignet für Liegerad ...

Hinter dem Schmalsee zwang mich oberhalb von Mittenwald ein hirnlos abgesicherter Bahnübergang zum Umkehren (Bild 2). Die Absperrung war so eng, dass nur schlanke Fußgänger hindurch kommen, also wieder 500 m zurück, um auf der Straße zu fahren. Im Zentrum von Mittenwald machte ich die erste Rast in einem Straßen-Café.

Die etwa 100 Höhenmeter von Mittenwald bis zur Geisterklamm am Anfang des Leutaschtal erwiesen sich als extrem schweißtreibend. Das Leutaschtal (1050 m) zieht sich ewig hin (Bild 3). Am Ende ging es relativ steil bis auf etwa 1250 m zur Buchner Höhe hoch (Bild 4). Ein 600 Hm Downhill hinunter ins Inntal (Bild 5) bildete den Abschluss dieser Etappe. Die erste Übernachtung in Telfs - das Hotel hatte ich von meiner letzten Tour in besserer Erinnerung ...

2. Etappe, durch Inntal und Ötztal

In Telfs über die Innbrücke und auf dem Inntal Radweg bis Ötztal Bahnhof. In Thannrain konnte ich wegen der lausigen Ausschilderung den weiteren Verlauf des Radwegs nicht sofort finden, so dass ich über Stams und die dicht befahrene Bundesstraße ins Ötztal fuhr.

Mit dem Liegerad auf dem MTB-Trail

Im Ötztal gab es keinen wirklichen Radweg. Es war ein "Ötztal Mountainbike Trail" ausgeschildert. Dieser verlief - wie der Name erwarten ließ - meistens auf unbefestigten Wegen und enthielt einige extrem steile Abschnitte (Bild 6). Manchmal konnte ich die Steigungen nur mit durchdrehendem Hinterrad hochfahren.

Ghost-Town

Mein Tagesziel war Sölden. Bei der Durchfahrt hatte ich den Eindruck, dass Sölden nur aus Hotels und Pensionen besteht. Die meisten waren zu dieser Jahreszeit geschlossen. Ich checkte im "Grauen Bären" ein (war empfehlenswert). Mein Liegerad konnte ich im Skikeller abstellen, das Zimmer war riesig und die Sauna nutzbar.

3. Etappe, über das Timmelsjoch - der Weg war das Ziel

Die Karte zeigt den interessantesten Abschnitt der Tour, die Timmelsjoch Straße. (Hier mit einem Ausschnitt der Aufzeichung dieser Tour in verschieden Karten der Navi- App KDR GPS Map).

Die Straße zum Timmelsjoch hinauf steigt von Sölden aus erst einmal gut an, um dann bis Zwieselstein wieder zu fallen. Der jetzt folgende Abschnitt war der schweißtreibendste der gesamten Tour. Im Bereich von Untergurgel (1790 m) konnte ich mich wieder etwas erholen, bevor es richtig hoch ging.

Keine Maut

An der Mautstelle (2170 m) durfte ich als Radfahrer an der Schlange der Autos und Motorradfahrer vorbei fahren. Ab der Mautstelle gng es wieder etwa 200 hm nach unten. Der Fahrtwind war eisig, aber das Umziehen lohnte sich noch nicht, denn die Passhöhe war noch lange nicht in Sicht.

Auf der Passhöhe wehte ein eisiger Wind. Das verschwitze Shirt musste ich schnellstens gegen eine winddichte Jacke tauschen. Nach den ersten 100 m Abfahrt kam die Erkenntnis, dass eine warme Jacke alleine nicht reicht. Also musste ich noch einmal anhalten, um eine lange Hose und Handschuhe anzuziehen.

Stockfinstere Tunnel

Auf dieser Strecke ist für Radfahrer eine Beleuchtungsanlage gefordert (siehe Timmelsjoch Hochalpenstrassen AG). Dies macht auch Sinn, denn in den unbeleuchteten Tunnels ist das Risiko zu hoch, dass man von Auto- oder Motorradfahrern übersehen werden könnte. Denn die Augen können sich nicht schnell genug an die Dunkelheit gewöhnen. Ich konnte trotz meines Power-LED Scheinwerfers die Schlaglöcher in den Tunnels nicht immer rechtzeitig erkennen. Man muss sich über Rennradfahrer wundern, die dort ganz ohne Licht hindurch fahren ...

Achterbahnfahrt

Der Downhill hinunter ins Passeiertal war eine fast endlose Achterbahnfahrt. Dabei war höchste Konzentration und eine vorausschauende Fahrweise angesagt, um sauber die Spur zu halten und abrupte Bremsmanöver zu vermeiden. An den meisten Stellen ging es direkt neben der Fahrbahn fast senkrecht nach unten (Bild 12).

In alle Richtungen

Ab St. Leonard kann man den Passeiertal-Radweg benutzen. Er hat meistens einen Schotterbelag und wird von vielen Wanderern bevölkert. In Meran führen die ausgeschilderten Radwege überall hin ("alle Richtungen"), nur nicht auf dem kürzesten Weg zum Etschtal-Radweg, was dann auch aus meiner Auswertung der GPS Aufzeichnung ersichtlich war. Es hätte sich wirklich gelohnt, sich vorher in Ruhe den Stadtplan anzusehen, als sich nur auf die Schilder zu verlassen.

Ewig lange Zimmersuche

Zwischen Meran und Bozen suchte ich ein Hotelzimmer. Dazu musste ich den Etschtal-Radweg verlassen und durch die Orte fahren. Erst nach einer Stunde hatte ich in Vilpian Erfolg. Es war September und somit Hauptsaison!

4. Etappe, durch das Eisacktal

Auf dem Etschtal Radweg weiter in Richtung Bozen. Dies war ein Fehler, denn am Ende bei Sigmundskron muss ich etwa 15 Minuten lang vor einer geschlossenen Bahnschranke warten.

Irrgarten Bozen

Bozen ist stolz auf sein Radwegenetz. Ich versuchte den Weg zum Bahnhof zu finden, denn dort beginnt der Radweg durch das Eisacktal. Als Ortsunkundiger sah man jedoch nur Umleitungsschilder. Der Radweg zum Bahnhof war zwar ausgeschildert, aber es kam mir vor, als wenn man im Kreis fährt. Der Eisacktal Radweg war ab Bozen relativ neu und in gutem Zustand - abgesehen von einigen Ortsdurchfahrten. In Klausen führt der Radweg direkt ins Zentrum. Ich nutzte die Gelegenheit, um mit dem Trike in ein Straßen-Café zu rollen.

Umweg wegen Unwetterschäden

Ab Brixen war der ausgeschilderte Radweg unzumutbar. Er machte riesige Umwege und war ab Vahrn eigentlich nur mit einem Mountainbike befahrbar. Ab dem Campingplatz war der Radweg wegen eines Murenabgangs gesperrt (Sept. 2009), so dass ich mir den Weg zur Straße zurück selbst suchen musste. Wenn ich ab Brixen gleich die Straße benutzt hätte, dann wäre ich wohl schon 5 km weiter gewesen! Am Abzweig zum Pustertal kam es einem als Radfahrer vor, als wenn man sich auf einer Autobahn verirrt hat.

Auf dem weiteren Abschnitt war der Radweg noch mehrmals auf Grund von Murenabgängen unpassierbar. Erst ab Franzensfeste konnte ich wieder problemlos fahren. Da der Radweg ständig bergauf und bergab führte (Bild 15), muss man etwa doppelt so viele Steigungen erklimmen, wie es auf Grund der natürlichen Gegebenheiten notwendig wäre. Aber Radfahrer sind Sportler! Ab Stilfes führt der Radweg schnurgerade parallel zur Autobahn bis Sterzing. In Sterzing gab es ausreichende Möglichkeiten zum Übernachten.

5. Etappe, Marathon - über Brennerpass und Achenpass bis nach Hause

Als ich am Morgen in Sterzing  mein Trike aus der Hotelgarage hole, wartet eine böse Überraschung auf mich: ein Vorderradreifen war platt. Gut, dass ich einen Ersatzschlauch dabei hatte. Der Grund für den Plattfuß war nicht klar ersichtlich. Aber ich erinnere mich, dass der Radweg an einer Stelle zwischen Bozen und Brixen auf Grund von Mäharbeiten an der Böschung mit Dornenzweigen "verseucht" war ... (einige Tage nach der Tour war der Reifen wieder platt, erst dabei hatte ich den Dorn im Reifen gefunden).

Brenner - der Alptraum für Radfahrer

Die Strecke über den Brennerpass ist eigentlich ein Alptraum für Radfahrer! 2009 gab es von Sterzing bis Innsbruck keinen Radweg, was dazu führte, dass sich hinter mir oft eine Autoschlange bildete. Genau ab dem Brennerpass setzte Regen ein. Unter einer Autobahnbrücke zog ich die Regenklamotten an. Die weitere Fahrt glich der Durchfahrt einer Waschstraße, schon allein wegen der relativ hohen Geschwindigkeit, da es fast nur bergab geht. Um das Risiko von Autofahrern übersehen zu werden zu verringern, schalte ich vorsichtshalber die Beleuchtung ein.

Endloser Autostau

Im Bereich von Matrei ein endloser Autostau. Da auch kein Gegenverkehr sichtbar war, fuhr ich vorsichtig an den etwa hundert Autos und Motorrädern vorbei. Auch in Gegenrichtung war ewig langer Stau. Erst als es ab Schönberg in Serpentinen nach Innsbruck hinunter ging, hatte mich die aufgestaute Auto-Kolonne wieder eingeholt und sich hinter mir versammelt.

Durch Innsbruck

Oberhalb von Innsbruck verließ ich die Bundesstraße und fuhr über die Bergisel-Straße direkt an der Sprungschanze vorbei hinunter nach Innsbruck. Unten in Innsbruck fuhr ich einfach immer Richtung Osten. Irgend wann fand ich den Inntal-Radweg. Der aber führte über viele Umwege im Zick-Zack Kurs durch die Felder im Inntal. Zwischendurch machte ich eine kleine Mittagspause an einer Imbissbude.

zum Achensee hoch

In Jenbach hatte es endlich aufgehört zu regnen, so dass ich die Regenklamotten wieder ausziehen konnte. Dies war auch notwendig, denn die Auffahrt zum Achenpass (970 m) war von Jenbach (560 m) aus recht steil und anstrengend.

Achensee-Chaos-Radweg

Endlich oben am Achensee. Aber hier kann von Erholung für Radfahrer keine Rede sein. Wenn man wie ich von Süden kommt, war der Uferweg plötzlich für Radfahrer gesperrt, obwohl es hier einen Radweg "Tirol-Vital-Route" geben sollte. Die Ausschilderung war chaotisch, also wichich besser gleich auf die Straße aus. Nach ein paar Kilometern war die Straße für Radfahrer gesperrt, so dass man wieder auf dem Uferweg ausweichen muss. Hier darf man sich zwischen vielen Fußgängern und parkenden Autos durchschlängeln. Ich hätte ja gerne in einem Café eine Pause gemacht, aber die ärgerliche Strecke war nicht wirklich einladend!

Endspurt

Den weiteren Verlauf des ausgeschilderten Radweges "Via Bavarica Tyrolesis" sollte man als Fernradler ignorieren, da er nicht direkt zum Sylvenstein-Stausee führt. Erst ab dem Staudamm (Tunnel) führt ein guter Radweg bis kurz vor Lenggries. Es empfiehlt sich in Lenggries über die Brücke auf die linke Seite der Isar zu wechseln und so über Arzbach bis Bad Tölz zu fahren. Der rechtsseitige Radweg an der Isar ist entweder wegen vieler Fußgänger oder bei Regen wegen der Schlamlöcher für Radfahrer unzumutbar.

Nach etwa 10 Stunden und 170 km Fahrt kam ich zu Hause an. Hinter mir lag eine Tagestour, für die normale Radler typisch 3 Tage benötigen. Dank des bequemen Liegerads war diese lange Strecke aber keine Tortur ...

Auswertung

GPS Track

Das Bild rechts zeigt eine Auswertung der Tour. Die Aufzeichnung wurde auf etwa 2500 Punkte reduziert, wobei Umwege und nicht empfehlenswerte Abschnitte entfernt wurden. Die Datei Liegerad-Alpencross.zip enthält die Tour im GPX Format.

Fazit der Tour

Man kann mit einem Liegerad problemlos einen Alpencross fahren - solange man dabei auf Straßen und Radwegen bleibt.

Hierzu empfehlen sich die typischen Rennradfahrer-Routen. Während der gesamten Tour musste ich zweimal umdrehen, weil Absperrgitter (Bild 2) oder Treppenstufen das Weiterfahren unmöglich machten.

Mit durchschnittlich 110 km und 1200 Höhenmetern pro Tag war ich relativ sportlich unterwegs. Das beste war die Tatsache, dass ich nach diesen 540 km in bester körperlicher Verfassung war. Ich hätte die Tour sofort wiederholen können, doch wer hat schon so viel Urlaub ...


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