Mitte Juli 2009: Start um 10 Uhr an der Haustür. über Schotterwege bis Bad Tölz, weiter in Richtung Marienstein und auf dem "Bodensee-Königssee Radweg" am Tegernsee vorbei. Von Kreuth aus hoch zur Bairalm (1050 m). An der Bairalm machte ich die erste Rast. Die Getränke wurden dort in einem hölzernem Brunnentrog gekühlt. Ab der Bairalm führte ein Trail hinunter zur Bairache. Ein Schild wieß darauf hin, dass Radfahrer absteigen sollen. Auf Grund der querliegenden Bäume hatte man aber auch keine andere Wahl. Unten ging es über eine schmale aus dicken Baumstämmen gezimmerte Brücke über die Grenze nach Österreich (Bild 1). Ab jetzt konnte ich das Bike wieder bequem rollen lassen. Die Schlucht in Richtung Kaiserklamm kam mir endlos lang vor. Nach der Kaiserklamm am Kaiserhaus rechts in Richtung Thiersee. Der als "Tirol Vital" bezeichnete Forstweg steigt bis auf etwa 900 m an. Ab Holzerhütte weiter in Richtung Buchacker Alm. Die Ausschilderung war chaotisch. Einmal "Durchfahrt verboten" mit dem Zusatz "gilt nicht für Radfahrer", dann wieder "gilt auch für Mountainbiker". Unterhalb der Buchackeralm hatte ich die erste Aussicht hinunter ins Inntal. Auf Serpentinen ging es 600 m nach unten. Das Gefälle (14 - 20 %) dieser Schotterstraße brachte die Bremsen fast zum glühen.
Nach über 110 km an diesem Tag war der Gasthof Lamm in Wörgl das wohlverdiente Tagesziel.
Von Wörgl über Hopfgarten durch das Tal der Windauer Ache in Richtung Filzenscharte (1686 m) hoch. Rast in der Gamskogelhütte (etwa 1100 m). Auf einem Schotterweg ging es bis auf 1650 m hoch. Unterwegs überholte mich ein junges Paar ohne Gepäck. Dabei gab er mir weise Ratschläge, wie ich meine Dämpfer einstellen solle, um den Berg schneller hinauf zu kommen - Danke, aber von kräfteschonender Fahrtechnik hatten sie offensichtlich keine wirkliche Ahnung. Besonders, weil sie vorher so weit wie möglich mit dem Auto hochgefahren waren ...
Die letzten 30 Höhenmeter erwiesen sich als unbefahrbarer Trail, es war eine Schiebe- und Tragestrecke mit Stufen und vielen Schlammlöchern. Auf der anderen Seite durfte ich mein Bike über einen Weidezaun wuchten. Ab hier führte ein guter Schotterweg bis zum Venedigerhof (etwa 1100 m). Im oberen Teil waren abgesperrte Weidegatter, über die man das Bike tragen musste. Vom Venedigerhof bis Neukirchen im Pinzgau konnte ich auf Asphalt fahren. Weiter auf Radwegen bis Mittersill.
In Mittersill checkte ich im Golf & Ski Chalet ein. Empfehlenswert, sehr freundliche Gastgeber!
Von Mittersill (800 m) auf dem Radweg neben der Felbertauernstraße bis hinter den Tunnel am Wolframwerk (1025 m). Weiter bis zum Hintersee (1300 m). Am Parkplatz vor dem Hintersee vorbei an einer Schranke die Brentlingstraße hoch. Sie führt mit 20 Kehren auf etwa 2000 m Höhe. Wegen der Hitze schiebe ich lieber das Bike. Die Steigung betrug zwischen 5 bis 20%. Ab Kehre 20 endete der ausgebaute Weg. Wegen der tiefhängenden Wolken kann ich denn weiteren Verlauf nicht mehr einschätzen. Der von mir gewählte Weg führte jetzt etwa 200 m als Wanderweg weiter. Dann wieß ein grüner Pfeil über einen Stacheldrahtzaun ins "Nichts" der Wolken. Ich ließ mein Bike stehen und ging zufuss weiter, um die Situation zu checken. Ich kam schnell zu der Erkenntnis, dass man unter diesen Bedingungen mit dem Bike wohl nicht weiter kommt. Der Pfad ist zu eng, der Abhang ist lebensgefährlich steil und die Sicht war gleich Null!.
Ratlosigkeit machte sich bei mir breit. In diesem Moment nahm mir ein heftiges Donnergrollen die Entscheidung ab: Rückzug! Hier möchte ich keinem Gewitter ausgesetzt sein! Regenjacke an, Sattel tiefer stellen und die Flucht nach unten. Die 3 Stunden Uphill sind in wenigen Minuten Geschichte. Ich habe Glück, erst unten im Tal, ab dem Hintersee werde ich geduscht. Ich rolle den ganzen Weg zurück bis nach Mittersill. Für einen weiteren Versuch zur Überquerung des Tauernkreuz hatte ich den Mut verloren.
Meine ursprüngliche Tourenplanung war damit "für die Katz". Ich fuhr relativ ziellos - was tun mit dem angebrochenem Tag? - den Pinzgau bis Krimml hinauf und checkte dort in einem Hotel ein. Je nach Wetter wollte ich am nächsten Tag entweder den Übergang über den Krimmler Tauernpass versuchen oder den Alpencross vorzeitig abbrechen und über Gerlospass und Zillertal nach Hause fahren. Alternativ könnte ich ja auch noch die Überquerung über das "altbekannte"Pfitscher Joch versuchen. Aber für die Route hatte ich bisher auch nur Schlechtwetter- Erfahrungen.
Das Wetter war am nächsten Morgen wieder gut und die Berge waren frei, also konnte mein Plan a) "WEITERMACHEN!" in Kraft treten. Start um 8 Uhr 30. Es ging an den Krimmler Wasserfällen vorbei ins Krimmler Achental. Nach ein paar hundert Metern war ich wegen der hohen Luftfeuchtigkeit und einer Temperatur von 25°C bereits am frühen Morgen wieder schweißgebadet. Auf dem ersten Stück fuhren ständig Kleinbusse, die Wanderer und warmduschende Biker ins Krimmler Achental transportieren. Im Krimmler Achental selbst kann man bequem fahren (Bild 4). Ab dem Abzweig zum Windbachtal wurde es richtig einsam. Es kamen mir nur noch eine handvoll Biker und Wanderer entgegen. Ab der Windbachalm war stundenlanges Schieben angesagt. Der Weg bestand ab hier aus groben Steinblöcken. Es war Mitte Juli und der Schnee machte die letzten hundert Höhenmeter zur Tortur (Bild 6). Der Bike-Computer zeigte 27°C. Der Schnee klebte auf den Reifen, so dass das Bike nicht mehr rollen wollte. Es wollte ständig den Abhang hinunter rutschen. Der Versuch das Bike zu tragen wurde mit dem Einsinken bis zu den Knien im verharschten Schnee bestraft. Dabei zog ich mir eine lange Schürfwunde am Schienenbein zu.
Endlich an der Passhöhe (2633 m). Es ist nur ein schmaler Durchgang (Bild 7). Ab hier führte ein gepflasterter Weg ins Ahrntal hinunter. Transalp-Biker, die sich hier auf einen Downhill freuen, werden gnadenlos frustiert! Treppenstufen und alle 10 m eine etwa 20 cm breite Querrille, die man mit schweren Transalp-Gepäck nicht überspringen kann. Also leise fluchend das Bike fast 1000 Höhenmeter hinunter schieben. Zitat aus der IBC Alpenpässe Datenbank: "Brachialer Trailartiger Downhill auf 900 Metern bis ins Ahrntal. Für versierte Fahrer eine der besten Abfahrten der ganzen Alpen; für Andere ein endloses Schiebestück. Die ganze Abfahrt besteht nur aus verblockten Felspassagen; Steinplatten; Wasserrinnen und Treppen." Ich war ja vorgewarnt!
Erst ab dem Wanderer-Parkplatz in Kasern hatte ich wirklich freie Fahrt. Davor war die Klingel das wichtigste Instrument. Auf der Straße im Ahrntal konnte ich das Bike mit 40 - 50 km/h gen Pustertal rollen lassen.
In Steinach machte ich eine Vollbremsung am Hotel Bergland Ahrntal (mit großer Hinweistafel: Sauna und Pool). Eine spontane Entscheidung, die sich lohnte. Vor dem Hotel wurde ich von der Wirtin empfangen. Nachdem sie meine Schürfwunden am Schienenbein entdeckt hatte, gab sie mir Naturheilmittel zur Versorgung der Wunde.
Nach der Hitze der Vortage zog am nächsten Tag ein Umwetter durch - mit Schnee bis ins Tal. Ein Grund mehr um 3 Tage lang in diesem freundlichen Hotel zu bleiben. Ich wäre auch gerne noch länger geblieben, aber der Berg ruft ...
Nach dem Durchzug der Kaltfront herrschte ein Super-Wetter. Die Berge zeigten sich von der schönsten Seite. Das Ahrntal hinunter Richtung Bruneck (890 m) zum Pustertal. Über St. Lorenzen, Saalen bis Zwischenwasser im Gadertal. Weiter über Welschellen (1200 m) hoch zum Würzjoch (1987 m). Umrundung des markanten Peitlerkofel Felsens auf Trails (Bilder 8 - 10), wobei ich gegen die "Strömung von hunderten von Wanderern ankämpfen" musste. Ab dem Abzweig zur Peitlerscharte gehörte der Weg bis Schlüterhütte (2297 m) wieder fast ausschließlich dem Mountainbikern. Eine landschaftlich traumhaft schöne Gegend!
Auf der Etappe hinunter in das Villnöß-Tal dann eine böse Überraschung: Die Strecke war mit unendlich vielen Schildern für ein Mountainbike-Rennen zugepflastert. Idiotisch, so eine Massenveranstaltung dient reinen Werbezwecken und schadet der Idee des umweltverträglichen Sports mit Mountainbikes. Die Folge wird sein, dass Radfahrer immer unbeliebter werden und immer mehr Wege gesperrt werden.
In der Gegend von Villnöß war dann prompt auch kein freies Zimmer zu finden. Nach der langen Tour hatte ich keine Power (und Zeit) mehr um über die Brogles Hütte ins Grödner Tal zu fahren. Also rollte ich einfach ins Eisacktal hinunter. Das Eisacktal besteht jedoch fast nur aus Autobahn und Geisterhotels. Also fuhr ich immer weiter, durch Bozen hindurch bis in das Etschtal. Es war bereits 20:30 Uhr und kurz vor Sonnenuntergang, als ich nach 138 km in Andrian endlich in einem Hotel einchecken konnte. So hatte ich mir meine 'Dolomiten Rundfahrt 2009' eigentlich nicht vorgestellt!
Tausende von Transalp Biker fahren über den Reschenpass den Vinschgau hinunter. Aber in Richtung Norden war ich auf dem Radweg ziemlich einsam unterwegs. Es gab sogar einige echt gefährliche Situationen, weil es immer wieder gedankenlose Radler gab, die auch vor unübsichtlichen Kurven nebeneinander fuhren.
Diese etwa 100 km lage Etappe überwindet einen Höhenunterschied von etwa 1250 m, wobei die Hälfte auf den letzten 10 km zwischen Glurns (900 m) und dem Reschensee (1500 m) anfallen. Gut, wenn man dazu noch eine ausreichende Kondition hat. Die letzte Übernachtung dieses Alpencross dann im Gasthaus Schwarzer Adler in Reschen. Empfehlenswert, günstiger Preis und ein Frühstücks-Buffett der Superklasse.
PS: Der Vinschgau Radweg wird offensichtlich immer weiter ausgebaut. Neu war in diesem Jahr ein Teilstück zwischen Algund und Partschins.
Der Wirt vom "Schwarzen Adler" hatte mich nicht ernst nehmen wollen, als ich auf seine Frage nach meinem Tagesziel antwortete: "bis kurz vor München". Für diese etwa 200 km lange Etappe benötigt man mit den Fahrrad normalerweise 3 Tage. Es war eine Wahnsinns-Idee. Ich hatte mir überlegt, dass es mit Ausnahme des Aufstiegs zum Fernpass fast immer bergab geht, so dass ich leicht eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 km/h und mehr fahren könnte. Das würde eine Fahrzeit von etwa 10 Stunden bedeuten, also an einem Tag "leicht" machbar.
Start am Reschen kurz nach 9, um 12:30 Uhr war ich bereits in Imst, um 15:30 Uhr hatte ich den Fernpass hinter mir gelassen. Es war wegen der Hitze viel anstrengender wie erwartet. Unterwegs an einer Wurstbude nur ein kleiner Imbiss im Stehen. Auf der Strecke zwischen Lermoos und Garmisch treffe ich auf einen Biker, der ganz offensichtlich nur eine Tagestour fuhr und mich unbedingt abhängen wollte. Wir lassen es voll krachen, so dass wir nur etwa eine ½ Stunde von Lermoos bis Garmisch benötigten. In Garmisch fuhr ich auf kürzestem Weg durch die Fußgängerzone, dann an der Loisach entlang bis Ohlstadt (17:30 Uhr). In Ohlstadt werde ich unvorsichtig und will ohne in die Karte zu sehen eine alternative Route ausprobieren. Der Weg endete in einem Wald, so dass ich über frisch gemähte sumpfige Wiesen zur ursprünglichen Route zurück fahren muss. Vor Großweil wurde mein Hunger und Durst unerträglich. Ich hatte nur noch ein Ziel vor den Augen: eine Radlermass und ein anständiges Essen. Nach einer Pause in einem Großweiler Wirtshaus war ich wieder fit für die restlichen 25 km (Bild 12).
Um 20:30 Uhr konnte ich mir Zuhause ein Weißbier reinzischen. Mein Schnitt betrug etwa 19 km/h - die "sportliche" Vorgabe von 20 km/h hatte ich fast erreicht. Die 10 Stunden effektive Fahrzeit waren aber nicht ganz spurenlos an mir vorbei gegangen. Deswegen mein Entschluß: Den nächsten Alpencross fahre ich liegend.
Die Zip Datei enthält die gesamte Tour. Die Tour habe ich mit meinem Pocket PC aufgezeichnet, Umwege entfernt und in das GPX Format konvertiert: AlpenCross2009.zip
Ein Liegerad ist beschafft und der erste Alpencross mit dem Liegerad lag hinter mir.