Claudias Jahresrückblick 2020

Das Jahr 2020 sollte man eigentlich schnell vergessen, doch warum sollte man nicht die (wenigen guten) Ereignisse in Erinnerung behalten?

Ich wünsche meinen Leser*innen viel Freude und vor allem ein gutes 2021!

Das Jahr 2020 begann für mich relativ optimistisch. Mein verlängerter Arbeitsvertrag würde noch bis zum Jahresende laufen. ich würde deshalb viele Gelegenheiten zu Dienstreisen haben und somit viel unter Menschen sein, aber es sollte anders kommen.

Für Anfang März war meine erste größere Dienstreise geplant. Auch war wieder einmal ein Ball in Dresden angesagt, zu dem ich mich mit meinen lieben Freundinnen treffen wollte.

Das Thema des Balls lautete ‚Verrückte Märchenwelt‚. Was lag näher, dazu als Prinzessin aufzutreten.

Das Bild zeigt mich am 1. März im Garten meiner lieben Nachbarin. Das Kleid konnte ich dann doch nicht während des Balls tragen, weil kurz zuvor der Reißverschluss zerriss. (Die Geschichte dieses verrückten Kleides erzähle ich in meinem Buch, mehr dazu später.)

Die Prinzessin

Anfang März war es so weit, der lang herbei gesehnte Ball fand statt. Es war zuvor spannend gewesen, denn es kündigte sich bereits der erste Lockdown an. Die Züge, das Hotel und die Kaufhäuser waren bereits gespenstisch leer. Das Bild zeigt mich mit meinen Freundinnen im Ballsaal. Wir hatten Glück, die Viren waren noch weit weg, so dass alle gesund blieben.

wir warten auf die Eröffnung des Buffet

Nach dem Ball konnte ich noch genau zweimal zur Arbeit ins Büro. Dann war nur noch Homeoffice angesagt.

Weil es in der Firma bereits vor der Pandemie kriselte, hatte man mir im Februar angeboten, mein Arbeitsvertrag vorzeitig aufzulösen. Was sich dann für mich als Glück im Unglück erwies, denn aufgrund des Lockdowns war ich effektiv ohne Arbeit, da keine Dienstreisen und Präsenz-Besprechungen mehr möglich waren. Alle Kolleg*innen waren in Kurzarbeit, aber ich konnte die arbeitslose Zeit bei vollem Gehalt absitzen.

Endlich Frühling! Im Garten wurde es grün und ich konnte den Lockdown-bedingten Eingesperrt-sein ins Freie entfliehen. Das Bild zeigt mich Ostern beim Ostereiersuchen. Keine Frage, wie wohl ich mich dabei fühlte.

Jetzt hatte ich auch viel Zeit um den Gartenzaum zu erneuern. Ein schlechter Witz war dabei, dass frau sich fehlende Schrauben im Internet kaufen muuste.

Endlich Frühling

Mitte April: Wegen des Lockdowns konnte ich wochenlang nicht mehr in die Sauna und zum Schwimmen.

Dann erwies es sich als super Idee, als meine lieben Nachbarn damit begannen in ihrem Garten, neben meiner Terrasse, einen Swimmingpool aufzubauen. Ich durfte den Swimmingpool jederzeit mitbenutzen. Danke!

der Pool im Garten – unglaublich, bereits im April im Freien baden zu können

Ich hatte wegen meiner Lockdown-bedingten „Arbeitslosigkeit“ viel Zeit, so dass mir die Idee kam, ein Buch zu schreiben. Ich hatte mir während der letzten Jahre mühsam viel Wissen über Transidentität und geschlechtsangleichende Maßnahmen angesammelt, warum sollte ich es nicht weitergeben? Ein „richtiges Buch“ zu schreiben, das war eine tolle Herausforderung für mich (mehr dazu weiter unten).

Mitte Juni war der letzte Arbeitstag in meinem alten Beruf gekommen. Zu meiner Überraschung wurde seitens der Firma eine Abschiedsfeier organisiert. Der erste Lockdown war beendet, so dass ich mir im Friseursalon endlich wieder die Haare machen lassen konnte. Auch ein neues Dirndl musste für die Abschiedsfeier her. Für mich war es die Gelegenheit, mich ein letztes Mal in der Firma als glückliche Transfrau zu zeigen. Ich erhielt für meinem „Auftritt“ so viele Komplimente, dass die befürchteten Abschiedstränen ausblieben.

mein „großer Auftritt“ während der Abschiedsfeier

Auch wenn ich jetzt nicht mehr in meinem alten Beruf arbeitete, so war aufgrund meiner Ehremämter die Arbeit im Homeoffice noch lange nicht obsolete. Im Sommer kann sich frau dabei schon einmal etwas ‚cooler‘ kleiden.

Ärgerlich für mich war, dass alle im Vorjahr noch neu gekauften Business-Klamotten (wie Kostüme und Hosenanzüge) sich als eine Fehlinvestition erwiesen.

im Homeoffice

Aber auch außerhalb des Homeoffice warteten interessante Aufgaben, wie als Trainerin für Fahrsicherheifstrainings für Radfahrernde auf mich.

Aufregend war dann die Aufzeichnung eines Radiointerviews, welches dann einige Tage später im Deutschlandfunk gesendet wurde.

Endlich war Sommer und Gelegenheit für viele gemeinschaftliche Radtouren mit meinen Freund*innen vom Radelclub. Im Frühjahr mussten Pandemie-bedingt alle Radtouren abgesagt werden.

Der Sommer 2020 hatte aber auch etwas Gutes: In keinem Jahr zuvor habe ich so oft in Seen baden können. Allerdings meistens nur unter der Woche, weil an den Wochenenden kein Fleckchen Grün an den Seen mehr frei war.

Hier ein Bild, das während einer 100 km langen und anstrengenden Radtour Ende Juni entstand.

Meistens bin ich bei derartigen Radtouren die Fotografin, aber hier habe ich meine Kamera einmal aus der Hand gegeben. 

Pause während einer Radtour in der Jachenau

Im Juli wurde mein Buchprojekt immer konkreter, so dass meine Tochter Laura so lieb war, dafür ein Cover-Bild zu entwerfen (mehr dazu weiter unten).

Anfang August war dann die Gelegenheit für die schönste Radtour des Jahres. Wir fuhren innerhalb von vier Tagen bis hoch bis zur Wolfratshauser Hütte und wieder zurück. Auf dem Bild ist meine Unmenge an Gepäck nicht zu übersehen, denn frau kann auch auf Reisen auf nichts verzichten. Völlig ungewohnt war für mich das Übernachten in einer Berghütte im Schlafsack.

Wir hatten viel Glück mit dem Wetter, denn am letzten Tag konnte der Bikini aus den Packtaschen geholt werden. Weil wir unterwegs keine geöffnete Gaststätte fanden, „feierten“ wir den Abschluss dieser wunderschönen Radtour auf meiner Terrasse.

4 Tage lang auf einer Radtour

Ab Mitte August war ich an einem Projekt zur Ausschilderung eines neuen touristischen Radweges in Oberfranken beteiligt. Diese Dienstreise mit dem Fahrrad hätte auch eine schöne Urlaubstour sein können. Doch es waren nur sehr wenige Unterkünfte und Restaurants geöffnet, so dass dies zu Stress führte. Wir mussten zum Beispiel an einem Abend für unserer Abendessen etwa 10 km weit mit unseren Fahrrädern fahren, oder ein anderes Mal einen Pizza-Service beauftragen.

Bei der Arbeit in Oberfranken

Ende August besuchte mich meine Freundin Jessica. Wir wanderten zum Starnberger See, wobei uns auf dem Forstwegen tausende von Mücken überfielen. An Baden war wegen des starken Windes nicht zu denken.

Ein paar Tage später klappte es dann besser. Wir hatten viel Spaß beim Baden. Dabei tauchte mein Handy auf den Gruund des Sees ab. Ich hatte es leichtsinnigerweise auf meine Badeschlappen (links im Bild zu sehen) gelegt. So schnell habe mich noch nie zum Tauchen entschlossen.

Viel Spaß im Starnberger See
(mehr dazu auf meiner Facebook Seite )

Mitte September war Redaktionsschluss für mein Buch. Zwei Wochen lang musste ich „kämpfen“, bis es endlich den Anforderungen des Verlags entsprach. Mitte Oktober hatte ich dann endlich mein Ziel erreicht! Mein Buch war veröffentlicht und ich erhielt viel Anerkennung.

Langweilig wurde es mir trotzdem nicht, denn ich hatte im Homeoffice viel Arbeit für das Radwegeprojekt in Oberfranken.

Das Cover meines Buches, das Originalfoto entstand bereits vor zwei Jahren, damals war ich noch ganz am Anfang meines Weges

Anfang Oktober war ich richtig erschrocken, wie sehr meine körperliche Fitness nachgelassen hatte. Die Ursache war ganz offensichtlich meine durch die Homeoffice bedingte „Faulheit“, aber vermutlich auch meine Hormontherapie.

Jeden Tag, wenn es das Wetter erlaubte, unternahm ich eine zwei Stunden lange Radtour. Zusätzlich einmal pro Woche Sauna und Schwimmen. Letzteres war dann wegen des erneuten Lockdowns nicht mehr möglich.

Herbstliche Radtour

Im November wurde wieder einmal eine Tumor-Nachuntersuchung durchgeführt. Alles war bestens. Es war eine der wenigen guten Nachrichten für mich in der blöden Pandemie Zeit.

Seit dem 1. Dezember bin ich im Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) aktiv. Ich hatte mich voller Optimismus bereits im Sommer dazu entschieden, um so viel unter Menschen zu sein und mein Wissen und meine Erfahrung weitergeben zu können. Doch jetzt sitze ich aufgrund des Lockdowns weiterhin im Homeoffice. Schlimmer kann es wohl nicht mehr kommen …

Irgendwann wurde es mir zu nasskalt für das Radfahren. Um in der Lockdown bedingten Einsamkeit nicht „verrückt“ zu werden unternahn ich im Dezember fast täglich einen Spaziergang. Oft gemeingemeinsam mit meinen lieben Nachbarn.

Das Bild drückt so richtig meine Stimmung zu Weihnachten aus. Sogar beim Spazierengehen war ich an diesem Tag einsam. Eine verrückte Zeit …

Spaziergang am 2. Weihnachtstag

Um in keine schlimme Depression zu verfallen, hilft oft die Ablenkung durch Arbeit oder Hobbies. Dazu kam ich auf die Idee diese Website zu erstellen.

Pickert Party

Nichts war 2020 normal. Normal wäre es gewesen meine Mutter zu besuchen. Der Besuch in meiner alten Heimat war bisher stets damit verbunden eine heimatliche Spezialität zu genießen.

Auch wenn der Besuch meiner Mutter zu Weihnachten ausfallen musste, dann sollten wenigstens die heimatlichen Gefühle nicht fehlen. Also wagte ich mich – nach einer ausführlichen telefonischen Beratung durch meine Mutter – daran, mein Leibgericht „Pickert“ selber zu backen. Ich muss gestehen, dass ich keine große Köchin bin und deswegen recht viel Mut benötigte, denn ich wollte meine dazu geladenen Gäste nicht enttäuschen. Aber es hatte sich gelohnt.

Viele meiner Leser*innen werden erst einmal nicht wissen, was „Pickert“ ist. Es ist ein Pfannengericht, bestehend aus jeweils einem Pfund Mehl und geriebenen Kartoffeln, fünf Eiern, Hefe mit etwas Zucker und Salz, sowie wahlweise Rosinen. Alles wird zu einem Teig verrührt und dann bei etwas Wärme etwa eine Stunde lang der Wirkung der Hefebakterien überlassen.

Gebacken wird der „Pickert“ heute in der Pfanne bei mittlerer Hitze mit etwas Öl. In alten Zeiten dagegen direkt auf der Herdplatte, die vorher mit einer Speckschwarte eingeriebenen wurde. Der Teig ist extrem klebrig, was dem „Pickert“ auch seinen Namen gab: „Pickert“ kommt von „pecken“, was im Hochdeutschen so viel wie kleben bedeutet. „Pickert“ schmeckt am besten warm aus der Pfanne. Traditionell wird er vor dem Verzehr mit Rübensirup bestrichen.

Eine „Pickert Party“ ist in meiner Familie so etwas wie Familientradition. Auch meine Kinder lassen es sich nicht entgehen. Das Rezept stammt noch von meiner Großmutter. Man findet das Rezept aber auch unter „Lippischer Pickert“.

Eine leckere, stark sättigende Speise. Mmmmhhhh …

Der Traum

Die Arbeit am PC nahm kein Ende. Es war bereits lange nach Mitternacht, als ich mich endlich schlafen legte. Mit dem Ärger über die verlorene Zeit schlief ich ein. Mein Bewusstsein meldete sich erst nach dem Aufwachen aus einem Traum wieder.
Ich hatte geträunt, dass ich auf irgend einer Reise war. Ich befand mich in einem Bett, es gab hier viele Betten, aber es war kein Hotel und auch kein Krankenhaus. Es ging mir richtig gut, denn alles drehte sich nur um mich. Ich wurde auch mit tollem Essen verwöhnt. Dann erfuhr ich, warum man mir so viel Aufmerksamkeit schenkte: ich war auserwählt, um „die Impfung“ zu erhalten.
In dem Augenblick wachte ich aus meinem Traum auf. Ein Traum, der mich sehr nachdenklich stimmte. Die Reise und die Impfung, die Hoffnug auf normale Zeiten …