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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 2.12.2012

Mai 2012: zwei Recumbent Pirats in Norddeutschland

Mehr Spaß mit 3 Rädern (4)

Damit der Spaß nicht böse endet ...

Sicherheit

Es wird häufig argumentiert, dass das Liegeradfahren gefährlicher wie das normale Radfahren sei, denn man könnte leichter übersehen werden. Die Erfahrungen nach fast 20.000 km mit dem Liegerad bestätigen dies aber nicht! Oft ist es sogar umgekehrt. Das heißt, man wird als Liegeradfahrer viel bewusster wahrgenommen. Überholende Autofahrer machen meistens einen auffällig großen Bogen um das "exotische" Gefährt. Es fällt auf, dass man mit einem Trike in kritischen Verkehrssituationen viel seltener riskant überholt wird. LKW-Fahrer fahren oft einige hundert Meter hinterher, bevor sie mit dem Überholen beginnen. Dagegen lebt man als normaler Zweirad- Fahrer in ständiger Angst, weil man oft mit fahrlässig geringem Seitenabstand überholt wird.

Hier ein Link zu einem interessanten Vortrag mit dem Thema: Gesünder und sicherer fahren mit Liegerädern.

Tipps und Erfahrungen zur Sicherheit

  1. Schon allein wegen der hohen Auffälligkeit (Hingucker) ist man gezwungen sich mit einem Liegerad vorsichtig und für andere berechenbar im Straßenverkehr zu bewegen, was indirekt wohl auch ein Sicherheitsfaktor ist.
    ... aber nicht nur, weil die Polizei offensichtlich Jagd auf Liegeradfahrer macht und "schlaue Tipps" verteilt. Hier der Link zu einem wahren Bericht.
  2. Fußgänger und andere Radfahrer müssen unbedingt mit einer (lauten) Klingel oder mit Rufen gewarnt werden, da sie oft über den Tieflieger hinweg schauen. Und wenn sie dann erkennen, was auf sie zurollt, dann reagieren sie oft hysterisch und springen im letzten Moment ausgerechnet auf die falsche Seite, so dass man als Liegeradfahrer immer mit Schlimmsten rechnen sollte. Auf Grund dieser potenziellen Gefahren kann die Benutzungspflicht für gemeinsame Rad- und Fußwege als unzumutbar eingestuft werden. Siehe Rechtliches. Bei einem Unfall mit einem Fußgänger wird stets dem (Liege-) Radfahrer die Verantwortung treffen, da er meistens schneller wie mit Schrittgeschwindigkeit unterwegs ist (sonst würde er ja kein Rad benötigen).
  3. Auf einem Radweg ist die Unsitte von nebeneinander fahrenden "Normal" - Radfahrern ein Horror für Liegerad-Fahrer. Sie schauen meistens mit offenem Mund zu einem herunter und denken nicht im Traum daran, wenigstens die halbe Breite des Radwegs für den Gegenverkehr freizugeben. Vor dem Überholen empfehlen sich klare Rufe wie "Achtung, ich überhole jetzt". Siehe auch Gefährliche Begegnungen.
  4. Verletzungsgefahr: Auch als Liegeradfahrer sollte man einen Helm tragen. Es ist zwar erwiesen, dass für Liegeradfahrer ein geringeres Risiko für Kopfverletzungen besteht. Der Grund dafür sind die geringere Sitz- und Sturzhöhen, sowie die vorgestreckten Beine. Die oft höheren Geschwindigkeiten können diese Sicherheitsvorteile aber wieder zunichte machen. Dringend zu empfehlen sind Arm- Protektoren! Im Falle eines "Notabstiegs" vom Liegerad sind die Ellenbogen besonders gefährdet.
  5. Ein sehr wichtiges Sicherheitszubehör ist ein Rückspiegel. Im Gegensatz zu einem Sitzradfahrer kann man sich liegend nicht nach hinten umdrehen. Ohne Rückspiegel stellen Spurwechsel oder das Links-Abbiegen ein hohes Risiko dar. Es gibt so viele hirnlose Autofahrer! Sie überholen einen Radfahrer auch dann noch links, wenn dieser sich bereits schon auf der linken Gegenfahrbahn befindet.
  6. Klickpedale erhöhen am Trike nicht nur die Leistung und den Komfort, sondern auch die Sicherheit. Die Vorteile:
    a) bei starken Erschütterungen, wie z. B. auf Grund eines übersehenen Schlagloches können die Füße nicht von den Pedalen rutschen. Denn wenn es dabei blöd läuft, dann könnten die Füße unter das Trike geraten.
    b) Man kann die Beine einfach hängen lassen und so die Muskeln entspannen. Im Gegensatz zu einem zweirädrigen Liegerad muss man bei einem Trike keine Angst vor dem Umkippen haben, auch wenn man noch so langsam fährt. Die Erfahrung zeigt, das sich die Schuhe im Ernstfall sofort von den Pedalen lösen. PS: Der Autor verwendet aber aus Sicherheitsgründen grundsätzlich keine Klickpedale an einem MTB! Siehe hierzu auch die Tipps zur Bike Ausrüstung.
  7. Gegen das Übersehen werden hilft am besten eine vorausschauende Fahrweise (wer könnte mich übersehen?), ein auffälliger Wimpel (siehe Bild), auffällige Kleidung, nach hinten ein rotes Blinklicht und ein extra starker Power-LED Scheinwerfer. Diese Art von Beleuchtung ist eigentlich nicht auf der Straße zugelassen, aber der Lichtterror, der von den rücksichtslos blendenden Autoscheinwerfern ausgeht rechtfertigt wohl die Verwendung. Sehr effektiv ist ein auf dem Helm montierter Power-LED Scheinwerfer , weil er
    a) eine deutlich höhere Position hat,
    b) immer genau dahin leuchtet, wo man gerade Licht benötigt und
    c) Autofahrer ggf. an das Abblenden erinnert.
    Ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet z.B. die Sigma PowerLED Evo. Im Vergleich zu anderen Scheinwerfern macht sie die Nacht zum Tag.
  8. Die Maßnahmen zum besser gesehen sind oft nicht ausreichend. Wenn ein Autofahrer in die falsche Richtung schaut, dann hilft nur ein ausreichend lautes akustisches Signal. Das Gebimmel der vorgeschriebenen Klingel hört jedoch kein Autofahrer. Also muss etwas besseres her! Der absolute Hammer ist die Air Zound, die mit bis zu 115 dB kaum zu überhören ist. Sie besteht aus einem Kunststoff-Horn und einer Kunststoff-Flasche, die mit etwa 5 Bar aufgepumpt wird. Sie ist so laut, dass man sie wirklich nur in Notfällen einsetzt. Man kann sie auch leiser einstellen, aber ...
  9. Bremsen: Die mit einem Liegerad möglichen höheren Geschwindigkeiten und die vermeintlich guten Bremsen stellen ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar. Zum Beispiel kann bei einem Trike (mit zwei Rädern vorne) abruptes Bremsen dazu führen, dass man ins Schleudern gerät, brutal aus der Spur kommt oder sich gar überschlägt (siehe das Bild "Elchtest").
    Die Ursache dafür ist der sich beim Bremsen nach vorne verlagernde Schwerpunkt und die dadurch zu Null werdende Führungs- und Bremswirkung des Hinterrades in Verbindung mit der fast immer ungleichmäßigen Bremswirkung der beiden Vorderräder. Auch wenn die Bremsen (technisch bedingt) gleichmäßig wirken, so können kleinste Unterschiede der Fahrbahn (Feuchtigkeit, Steinchen) ein Ausbrechen verursachen. Dagegen hilft nur eine vorausschauende Fahrweise, das Trainieren von Notbremsungen und die regelmäßige Kontrolle der Bremswirkung. Im Notfall sollte man auf keinem Fall die Hinterradbremse zu stark benutzen, denn wenn das Hinterrad blockiert, dann wird das Trike erst recht ins Schleudern geraten und kann sich seitlich überschlagen. Der Autor hat dazu schmerzliche Erfahrungen gesammelt.

Aufgrund dieses Verhaltens beim Bremsen sollte man aber nicht annehmen, dass ein Trike (mit zwei Rädern vorne) weniger sicher ist wie andere Bauarten. Jede Bauart hat seine Vor- und Nachteile. Einige Trikes besitzen für jedes Vorderrad einen eigenen Bremshebel. Dafür spricht, dass mit dem mehr oder weniger starken Abbremsen eines einzelnen Vorrades die Richtung gesteuert werden kann. Dagegen spricht jedoch, dass man stets mit beiden Händen bremsen muss. Gerade dies kann in Notfällen zum Problem werden. Des Weiteren haben derartige Trikes kein gebremstes Hinterrad und somit eine geringere Sicherheits-Redundanz. Trikes mit zwei Hinterrädern haben fast immer einen erheblich höheren Schwerpunkt was höheren Kurvengeschwindigkeiten hinderlich ist und deshalb in Notfällen bei Ausweichversuchen erst recht zum Umkippen führt.

Rechtliches

Gemäß Definition des Wiener Übereinkommens über den Straßenverkehr vom 8. November 1968 sind alle Landfahrzeuge ein Fahrrad, die mindestens zwei Räder, eine Lenkeinrichtung, eine Bremseinrichtung und einen Sitz haben sowie mit Pedal- oder Handkurbelantrieb versehen sind. Ein Liegerad gilt somit eindeutig als Fahrrad.

Unzumutbare Radweg-Benutzungspflicht

Als mehrspurige Fahrzeuge können Trikes nicht ohne weiteres immer auf Radwege gezwungen werden. Gemäß VwV-StVO zum § 2 der StVO gelten die vorgegeben Maße für die Breite von Radwegen für einspurige Fahrzeuge. Für Führer anderer Fahrzeuge (wie Trikes) kann die Benutzung im Einzelfall unzumutbar sein (OLG Düsseldorf, NZV 1992, 290, 291 und BGH, NZV 1995, 144 und VG Berlin, NZV 2001, 317) (mehr).

Gefährliche Begegnungen

Die Spurweite eines Trikes ist mindestens zwei Handbreit größer wie die Breite einer Fahrrad-Lenkstange. Die Lenkstange eines Zweirads kann meist gefahrlos über den Rad eines befestigten Radwegs hinaus ragen. Aber das Rad eines Trikes kann zum Ausweichen des Gegenverkehrs den Rand eines Radwegs nicht gefahrlos überschreiten! Das bedeutet, dass die Benutzung von schmalen Radwegen mit Gegenverkehr unzumutbar ist.


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